Monat: Oktober 2019

42. Burgenlauf in Bad Belzig: Herzlichkeit im Hohen Fläming

„Der Start ist dieses Jahr nicht mehr am Marktplatz! Wir starten dieses Mal direkt unten vor der Burg!“ Es scheint auf Burg Eisenhardt in Bad Belzig heute nur ein zentrales Thema zu geben – den geänderten Startplatz. Uns wenigen ErstteilnehmerInnen ist das herzlich egal. Irgendwo wird es schon losgehen. Da sich nach über 40 Jahren Burgenlauf aber aber fast jeder hier kennt, bewegt das natürlich die Gemüter.

Der Burgenlauf im Vorjahr (c) Burgenlauf
Der Burgenlauf im Vorjahr (c) Burgenlauf

Aber wie kann es eigentlich sein, dass dieser Lauf 2019 schon zum 42. Mal veranstaltet wird, im nur gut 1h entfernten Berlin aber doch relativ unbekannt ist? Man läuft durch viel Natur im wirklich schönen Hohen Fläming, die Orga ist einfach aber effektiv. Die Strecken umfassen 25km, 8km, 3,3km und für die Kids 1,3 Kilometer. Start und Ziel ist die Burg Eisenhardt in Bad Belzig, die zweite von drei Verpflegungsstellen ist im Hof der Wiesenburg – auch das gibt es nicht alle Tage.

Gleich nach dem angenehm unprätentiösen Start ohne sonst gewohntem Aufblasbogen – und ja, an einem anderen Ort – laufe ich gleich vorne mit und halte die ersten 12 Kilometer den 8. Platz. Damit hätte ich nun nicht gerechnet und werde in der Folge doch auch noch von ein paar Läufern überholt. Interessanterweise sind ganz vorne diverse BerlinerInnen mit am Start, obwohl sich die Berliner Lauf-Community hier rar macht. Zu Unrecht, wie die weiteren gut 13 Kilometer beweisen.

Die Strecke ist nicht technisch, aber abwechslungsreich. Das Wetter spendiert einen schönen Spätsommertag, an dem sich der Brandenburger Boden von seiner besten sandigen Seite zeigt, so dass kombiniert mit den langgezogenen minimalen Anstiegen doch einiges an Körnern verbraucht wird. Es bleibt aber auch genug Zeit zum in die Landschaft schauen, da ich die meiste Zeit ziemlich alleine laufe und auch alleine den kurzen, finalen Burgberg hinauf mache. Platz 2 der Altersklasse, Platz 13 insgesamt, 11. Mann im Ziel. Wow.

Zum Schluss nochmal den kleinen Burgberg hoch (c) Burgenlauf
Zum Schluss nochmal den kleinen Burgberg hoch (c) Burgenlauf

Kaputt aber beste Laune. Sonne, Nachverpflegung im Burghof und Siegerehrung. Die zieht sich leider ziemlich, da es alle 5 Jahre eine neue Altersklasse gibt. Dafür gibt es für jede SiegerIn eine Wurst oder ein Öl oder ein Glas Honig. Süß und für die Berliner Gäste unfreiwillig komisch. Aber eben auch herzlich.

Neu in diesem Jahr: hochwertige Medaillen, die allerdings für 6 EUR gekauft werden müssen. Man wollte Qualität liefern und nicht den Preis erhöhen. Sehr ehrbar, aber Marketing-technisch kaum nachvollziehbar. Wenn gefühlt jeder 3. dank der vielen Altersklassen ohnehin schon eine Ehrung bekommt, hätte man den Preis auch um 2 EUR erhöhen können und allen 1.- bis 3.-Platzierten eine mitgeben können. So wäre mehr Planungssicherheit gewonnen und keine first-come-first-served-Situation entstanden. Aber die Meinung wird natürlich nicht jeder teilen. Und wenn das alles ist was es zu meckern gibt, ist doch alles in bester Ordnung.

Die aktuellen Bilder lassen übrigens noch etwas auf sich warten. Macht nichts, passt zum urig netten Gesamtbild. Genau wie die Tatsache, dass es keinen Social Media Overkill gibt, sondern einfach nur eine gute Versanstaltung. Mehr brauchen wir ja auch nicht. Mehr wollen wir ja eigentlich auch gar nicht.

Burgenlauf, ich komme zu Ausgabe 43 bestimmt wieder. Und dann sind hoffentlich noch ein paar mehr StarterInnen aus Berlin im Gepäck. Geländelauf ohne Berge können wir ja ganz gut.

Wenn schon Rennsteig, dann hoch 3 und komplett

„Das Klima in Neuhaus ist sehr rau mit sehr schneereichen Wintern und kalten, feuchten Sommern. Der Ort hält seit Mai 1996 mit 242 Stunden (zehn Tagen) den deutschen Rekord der längsten durchgängigen Nebelperiode.“ Sagt Wikipedia. Wie gut, dass wir Neuhaus für die nächsten drei Tag zu unserem Headquarter gemacht haben. Der Plan für das dank Tag der Deutschen Einheit lange Wochenendes: Die rund 90 Kilometer vom Rennsteig laufen, die uns nach dem Rennsteig Supermarathon noch fehlen, dann einen Tag erholen. Anschließend am Sonntag den 29. Rennsteig Herbstlauf mitnehmen und damit Rennsteig³ und den Rennsteig einfach mal überhaupt abhaken.

Klingt toll – bis wir am Feiertag um 6:30 am überraschend vollen Bahnsteig stehen. Was wollen die alle hier um diese Zeit? Und warum ist es eigentlich so kalt?

Rund 5h später laufen wir endlich – dem vorausgesagten Regen-WE entgegen. 2 Berliner, die in den Laufrucksäcken ausnahmsweise mal auch Zahnbürste, Kabel, Adapter und ein warmes Vlies für den Abend haben.

Schöne Blicke weg von der Rennsteig-Waldautobahn
Schöne Blicke weg von der Rennsteig-Waldautobahn

Etappe 1 bringt uns von Blankenstein zum besagten Neuhaus am Rennweg. Das bedeutet erstmal: Asphalt. Dann die vom Rennsteig gewohnte Waldautobahn. Viele Forstwege, immer wieder kleinere Trail-Stücke und erstaunlich viele Wanderer. Zum laufen ist das ja alles hübsch, aber zum wandern doch eher lahm. Immerhin: das Wetter hält und die 51 Kilometer mit rund 1.000 Höhenmetern überraschen mit diversen kleinen Höhepunkte. Nett. Und auch mal sehr angenehm, sich nicht durch die Strecke hetzen zu müssen, sondern einfach mal gechillt zu laufen. Durch Thüringen und Bayern. Wie passend am Tag der Deutschen Einheit.

Ein Natur-Spielzeugdorf 20km nach Blankenstein
Ein Natur-Spielzeugdorf 20km nach Blankenstein

Kaum in Neuhaus angekommen, macht der Himmel auf. Draußen ist es jetzt kalt UND nass. Für heute haben wir Glück gehabt. Doch am nächsten Morgen das gleiche Bild. Also Regenjacke an, Kaputze auf, hilft ja nichts.

Viele Hütten am Rennsteig - da kann an zu harte Schauer auch mal aussitzen.
Viele Hütten am Rennsteig – da kann an zu harte Schauer auch mal aussitzen.

Die Strecke ist deutlich schöner, waldiger, trailiger als am Vortag. Größtenteils ist es die Marathon-Strecke, die von Neuhaus nach Schmiedefeld geht. Genau das ist auch unser Ziel. Rund 42 Kilometer. Es hellt sogar etwas auf und nur die letzten 10km sind böse verregnet.

Das ist tatsächlich eine kleine Hütte.
Das ist tatsächlich eine kleine Hütte.

Doch wie nun zurück nach Neuhaus? Mit Bus und zwei Bahnen brauchen wir fast so lange, wie zu Fuß. Aber hilft ja mal wieder nichts.

Der Rennssteig und seine Dörfer - im Regen
Der Rennssteig und seine Dörfer – im Regen

Sonntag nach einem Day Off die erste Hälfte der Strecke nochmal: der Rennsteig Herbstlauf, der mit Schneekopflauf und Ultramarathon Rennsteig³ heißt. Wie immer bei den GutsMuts-Läufen ist alles perfekt organisiert – wobei es komplett unverständlich bleibt, warum 500 20km-StarterInnen von Masserberg (Startunterlagenausgabe) nach Neuhaus geshuttelt werden und nicht die 200 10km-StarterInnen in die andere Richtung.

Die Beine sind erstaunlich fit, das Wetter erstaunlich schön, die Zeit mit 1:31:13 für die 20er-Route erstaunlich gut. Bier und hervorragende Stimmung im Ziel, 110 Kilometer auf dem Buckel, eine tolle Lauf-Erfahrung im Gepäck – was will man mehr von einem verlängerten Lauf-Wochenende Anfang Oktober?

Einfach mal machen!

Blick zurück durch den Filter. Schön war es auch ungefiltert.
Blick zurück durch den Filter. Schön war es auch ungefiltert.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén