Autor: Tobias Seite 1 von 5

Ith Hils Ultratrail – 81 km solo & selbstversorgt

„Also, wenn sie noch weiter laufen wollen als bis Adam und Eva, vielleicht noch bis zum Lauensteiner Kopf und dann auf der anderen Seite zurück – da sind Sie sicher 20 Kilometer unterwegs. Aber Sie haben ja meine Telefonnummer. Zur Not sammel ich Sie irgendwo ein.“ Ich muss ein wenig schmunzeln unter der FFP2-Maske, als der Platzwart am Campingplatz Rattenfängerplatz dieses Rettungsangebot macht. Ich sage ihm nicht, dass ich das Vierfache plane. Den 81 km langen Ith Hills Weg. Alleine. Keine externe Versorgung – you want it, you bring it.

Adam und Eva am Ith bei Coppenbrügge
Adam und Eva am Ith bei Coppenbrügge

Interessant ist dieser kurze Reality Check aber trotzdem. Wir leben und trainieren in unseren Bubbles – und in meiner dreht sich viel um Sport. Da läuft man 20 km im Mittelgebirge auch schonmal vor dem Frühstück. Oder fährt mit dem Rad mal nach Dresden. Normal. Normal? Aber letztlich bin ich genau deshalb hier. Nachdem wieder die komplette Frühlings- und Sommerplanung von Corona-bedingten Wettkampfabsagen und -verschiebungen durcheinander gewirbelt wurde, musste ein Highlight her. Und wenn ich es halt selber organisieren muss. Aber wenn schon selber, dann richtig. Solo. Ohne Begleitung, ohne Support, ohne mentale Unterstützung.

Die ersten 500 Meter sind noch einfach am Ith Kammweg
Die ersten 500 Meter sind noch einfach am Ith Kammweg

Mein längster Solo Run bisher waren 60 km. Das war zäh. Ich denke daran, als ich um 6h morgens starte. Der Weg ist mental in 4 Stücke á 20 km aufgeteilt. Ich möchte so viel wie möglich im Jetzt bleiben, den Lauf genießen so lange es geht. Dafür ist das Gebiet um den Ith bestens geeignet. Es geht gleich steil hoch zu Adam und Eva, danach im konstanten Hoch und Runter über einen 30-40 cm schmalen Pfad vorbei an Kletterfelsen, über stark verwurzeltes und felsiges Gelände, immer begleitet vom blühenden Bärlauch. Genau so habe ich den Weg in Erinnerung. Ein Traum.

Schmaler Pfad auf dem Ith Rücken, Bärlauch überall - hier ist er sogar laufbar
Schmaler Pfad auf dem Ith Rücken, Bärlauch überall – hier ist er sogar laufbar
Hammerslust auf dem Ith Kamm
Hammerslust auf dem Ith Kamm

Nach der L425 wird es noch enger. Ständig liegen umgestürzte Bäume auf dem Weg und es bleibt wie überall heute extrem matschig. Das geht nicht nur derbe in die Beine, sondern frisst auch Zeit. Als irgendwann endlich mehr als 500 Meter einfach zu laufen sind, ist es für den Kopf eine Befreiung – die Beine müssen sich noch mit dieser seltsamen Bewegung anfreunden.

Der Ith Höhenzug geht rund 25 km bis zu den Ithwiesen und wechselt dann mehr zu Wald und Hügeln. Mehr Wald = mehr Matsch. Die robusten Schuhe waren genau die richtige Wahl. Ab jetzt ist es laufbarer und weniger steil. Das Auf und Ab allerdings bleibt. Und die Schönheit des Tracks zum Glück auch.

Allmählich wird die Laufweste leichter, die Vorräte werden weniger, das Wasser muss unterwegs bei rasenmähenden oder autowaschenden Menschen aufgefüllt werden und die erste Hälfte der Distanz bleibe ich tatsächlich komplett im Jetzt, im Lauf. Danach wird es schwerer. Der Körper ist müde, der Kopf fängt an zu rechnen. Aber genau das war ja ein Teil des Versuches: kriege ich mich wieder eingefangen und zurückgeholt? Es klappt tatsächlich ganz gut – auch wenn die Beine immer schwerer werden.

Das Weserbergland mal ohne steilen Grat
Das Weserbergland mal ohne steilen Grat

Als ich nach rund 11 Stunden endlich beim Start/Ziel einlaufe, fühle ich mich seltsam. Das Hochgefühl des Zielbogens ist nicht da. Keine hochgereckten Arme beim magischen Schritt über die Zeitnahme. Ich stoppe einfach die Uhr, versuche mich hinzuhocken aber die Beine krampfen. Nein, einfach war der Lauf nicht. 2.400 Höhenmeter, Matsch, viele technische Stellen. Was bleibt ist Ruhe. Keine Menschenseele weit und breit. Erleichterung, Stolz, Zufriedenheit.

Mit Verpflegungsstellen geht es leichter, Mitstreitende und Mitleidende machen es kurzweiliger – aber es geht auch ohne. Es war eine interessante Reise ins Ich und mit mir. Mal sehen, wann der erste Solo-100er ansteht. So bald nicht…aber kommen wird er bestimmt.

Höhenprofil des Ith Hill Wegs (c) strava.com
Höhenprofil des Ith Hill Wegs (c) strava.com

2021 wieder Wettkampf-Verschiebungen: Genau das falsche Signal zur falschen Zeit

Der Transalpine Run 2019 steckte mir noch in den Knochen, als ich im September 2019 nur eine Woche später beim Arberland Ultratrail gestartet bin. Und was habe ich den Lauf gefeiert! Großartiges Ding! Super liebevoll organisiert und in tollster Kulisse. (Bericht dazu gibt es hier.)

2020 wurde er abgesagt. Kann man verstehen, muss man aber nicht. Wie man einen durchaus vergleichbaren Wettkampf auch in COVID-19-Zeit erfolgreich organisieren kann, zeigte der Südthüringen Trail 2020 (hier der Bericht dazu.)

Ende März 2021 wurde der Arberland Ultratrail – geplant für September – erneut um ein Jahr verschoben. Die Info steht auf der Facebook-Seite und der Homepage. Eine Mail an die Angemeldeten? Nope. Startplatzgarantie für 2022? Nope. Man wird das Geld zurückerhalten und solle sich neu anmelden. Erklärung warum? Nope. Die Mail ist knapp eine Woche später übrigens noch immer nicht da. Sagen wir es mal so: Wertschätzende Kommunikation gegenüber den Teilnehmenden sieht anders aus.

Arberland Ultratrail 2019 (c) Arberland Ultratrail

2 Ultras, 5 Marathons, 18 Halbmarathons, 738,23 km in 2 Monaten

Corona und der monatelange Lockdown machen etwas mit uns. Niemand von uns hat vorher eine Pandemie miterlebt, wir alle reagieren unterschiedlich. Im Guten wie im Schlechten, im Großen wie im Kleinen. Im ersten Lockdown, Frühling 2020, hat mir das Radfahren Ruhe gebracht. Am 18.03.2020 war der schon fast prophetische Titel der Fahrt „Ride for Headspace“. Als hätte ich es geahnt… Doch was passierte im zweiten, deutlich längeren Lockdown?

Ende der Grundlagen-Challenge - oh wie schön ist Brandenburg
Ende der Grundlagen-Challenge – oh wie schön ist Brandenburg

Die Tage wurden dunkler und kälter, die Bedingungen für lange Fahrten immer ungünstiger. Sozialleben: off. Gruppentraining: off. Abrgillen, Vorweihnachtstimmung, Winterurlaub: off. Also bin ich noch mehr gelaufen. So viel wie noch nie.

Sägerserie 2020: Krönender Crosslauf-Abschluss vorm Corona Lockdown Light

Die Sägerserie in Berlin ist Legende: Schon Anfang der 70er gegründet, bedeutet sie innerhalb von 4 Wochen 3x Cross- und Trailrun durch den Tegeler Forst mit jedes Mal längerer Strecke. Perfekter Ausklang für den Laufkalender 2020 denke ich mir und melde mich an. Hat ja auch einen super Ruf das Ding. Und dann kommt die zweite Corona-Welle. Unfreiwillig wird die Sägerserie 2020 damit wohl noch legendärer, da der krönende dritte Lauf nur 36 Stunden vor der staatlich verordneten Absage aller Sportveranstaltungen stattfindet. Punktlandung.

Erfolgreich wiederbelebt: Der Borderland Ultra 2020

„Zählt das jetzt eigentlich schon als Trail?“ schallt es nach wenigen Kilometern von hinten, während wir bergab über Beton-Loch-Platten laufen und versuchen, uns nicht die Gelenke zu brechen. „Ich finde die Panzerplatten deutlich härter zu laufen als Trails!“ kommt gleich die Erwiderung, während ich aufs Unkraut zwischen den alten Jeep-Wegen der DDR-Grenzer ausweiche.

Wachturm und Grenzzaun erinnern an die Geschichte des Heldburger Landes (c) Borderland
Wachturm und Grenzzaun erinnern an die Geschichte des Heldburger Landes (c) Borderland

Heldentrail vom Südthüringentrail: das Brett außerhalb der Alpen

47 Kilometer und fast 2.000 Höhenmeter stecken uns nach rund 5:30 Stunden laufen und nur 4 Stunden Schlaf in den Knochen. Die Gipfel um Suhl sind nicht alpin, haben es aber in sich. Umso schöner, als wir die beiden gigantischen Brücken unterquert haben und die Wettkampfmoderatorin hören. Gleich ist der Riesentrail vom Südthüringentrail geschafft. „Noch 2 Minuten, dann startet der Wichteltrail,“ schallt es durch den Wald. Es ist der Kleine in der Runde: gut 17KM und 559HM. Zwei Haken hat die Sache: Wir laufen den Heldentrail. Wir hängen jetzt also noch eben diesen Wichteltrail dran – und starten die Runde zeitgleich mit dem hinteren Drittel des Starterfeldes.

Die Idylle trügt - der Heldentrail hat es heftig in sich (c) Südthüringentrail
Die Idylle trügt – der Heldentrail hat es heftig in sich (c) Südthüringentrail

15 Minuten vorher meinte Laufkollege Flo noch: „Genießen wir die Stille – damit ist es bald vorbei. Dann wimmelt es im Wald vor Wichteln.“ Ein lustiger und sehr wahrer Satz. Mit fast 250 StarterInnen ist die Strecke mittlerweile zum kleinen Volkslauf geworden. Da müssen unsere Muskeln nochmal ordentlich ranklotzen, denn unser Tempo liegt dann doch nicht am Ende eines Volkslaufes, sondern eher in dessen Mittelfeld.

Doppeldecker: Kyffhäuser Berglauf + Rund um den Müggelturm

Wie oft wurde der Kyffhäuser Berglauf schon als kleiner Bruder vom Rennsteiglauf behandelt? Trotz aller Parallelen wohl zu oft. 2020 sollte das nicht passieren, denn anders als der angebliche große Bruder, findet der Kyffhäuser Berglauf im Corona-Jahr statt. Zwar deutlich abgespeckt, aber das stört die wenigsten LäuferInnen. Endlich wieder laufen!

Es gibt vier Distanzen – 6km / 14km / 21km / 42km – und eine Obergrenze von 999 Plätzen. Zuschauermengen sind nicht vorgesehen, die Übernachtung in der Turnhalle ist abgesagt, Duschen gibt es nicht. Entsprechend leer ist es auf dem großen Feld am Schloss Bad Frankenhausen. Distanz halten? Kein Problem hier und heute. Gestartet wird in Wellen, aufgestellt jeweils mittels Abstandsmarkierungen und mit Mund-Nasen-Schutz, der Startschuss ist symbolisch, wie es mehrfach heißt. Gedränge soll bei der 42. Auflage des Traditionslaufs um jeden Preis verhindert werden.

Gedränge gibt es beim Kyffhäuser Berglauf 2020 garantiert nicht.
Gedränge gibt es beim Kyffhäuser Berglauf 2020 garantiert nicht.

2. Oberlausitztrail: Sintflut, Matsch und Hornissen

Was für ein Sauwetter! Gestern noch 36 Grad, heute Sintflut. Aber ok, kann man mal nen Tag auf der Couch verbringen. Eeeehm, not, denn es steht der erste echte Trailrun Wettkampf seit gefühlten Ewigkeiten an. Nichts virtuelles, sondern derbe dreckig und physisch. Nichts privates, sondern ein Start mit 112 LäuferInnen auf der großen Strecke des Oberlausitztrails.

Oberlausitztrail 2020 - nass, rutschig und trotzdem super (c) M. Kosubeck / Babelsberger Trail Racing Team
Oberlausitztrail 2020 – nass, rutschig und trotzdem super (c) M. Kosubeck / Babelsberger Trail Racing Team

„Mein letzter Wettkampf? Das ist lange her. Ich glaube, das war wirklich der Oberlausitztrail letztes Jahr im Herbst. Seit dem wurde ja alles abgesagt,“ erklärt unser Mitstarter Felix während wir auf dem Parkplatz auf den Start um 9h warten. Erste auffällige Neuerung: im Starterbeutel gibt es jetzt Tampons. Auch für die Männer (prima gegendert), dafür aber keine Zahnpasta. Die haben nur die beiden Frauen. Lustiger Zufall, der aber zur aus 2019 gewohnten unaufgeregten Orga passt.

Hirschbachtalumrundung: Voralpen versus Corona-Blues

Kühe vor traumhaftem Bergpanorama, ein malerischer Bergrücken mit Hof unter strahlend blauem Himmel – was habe ich es vermisst, in den Bergen Trails zu laufen. Aber mit Pippi in den Augen läuft es sich schlecht. Heißt es. Und das stimmt auch. Also Fokus auf den Weg, denn der Track bleibt nur kurz auf Wirtschaftswegen und nimmt jede Steigung, jeden Gipfel, jede technische Passage mit. Kein Wunder, dass die von Tourismus Lenggries veröffentlichte Hirschbachtalumrundung als schwarze Wanderroute gilt und alpine Erfahrung und Schwindelfreiheit voraussetzt.

Kühe und Voralpen-Panorama
Kühe und Voralpen-Panorama

Berliner Vollmond-Marathon: Freude, Hitze und mentales Gorgoroth

Ein Abend der Gegensätze: ewig Unverbesserliche demonstrieren in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, bis die Polizei die Demonstration unter lautem Protest endlich auflöst. Ganz anders 10km weiter am Sport Centrum Siemensstadt kurz vor Spandau: Hier treffen sich jeweils 100 StarterInnen für den 7. Berliner Vollmond-Marathon und den 5. Berliner Vollmond-Halbmarathon. Mit Mundschutz, Abstand, Hand-Desinfektion, deutlich getrennten Startzeiten und innerhalb der beiden Veranstaltungen nochmal Rolling-Starts im 2-Minuten-Takt.

Start und Ziel des Berliner Vollmond-Marathon - das Sport Centrum Siemensstadt
Start und Ziel des Berliner Vollmond-Marathon – das Sport Centrum Siemensstadt

Seite 1 von 5

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén