Kategorie: Sport Seite 1 von 4

Ausdauersport: Ultraruns, Rennrad-Touren, Triathlons, Erfahrungen jenseits der Leistungsgrenzen.

Bisher in 2020: Corona, Pandemie, Motivationsloch, Unfall mit Knochenbruch

2020, was bist du für ein krasses Jahr? Was in den ersten fünf Monaten geschah, reicht normalerweise für diverse Jahre: Corona, globale Pandemie, Wirtschaft im freien Fall und Absage fast aller Rennen. Gleichzeitig Probleme mit einem Knie und anderem Hüftbeuger = totales Motivationsloch beim Lauftraining. Rennradtraining geht dafür durch die Decke. Kaum ist das Lauftraining wieder am Start: Unfall im Elbsandsteingebirge – Bergung per Hubschrauber, Speiche gebrochen, Abriss der Elle, Sportstopp für Wochen. Was kommt noch in diesem krassen Jahr?

Ab in die Notaufnahme - das war anders geplant
Ab in die Notaufnahme – das war anders geplant

Seit Wochen wollte ich schon ein Update schreiben: wie Corona und Lauftrainingsmotivationsloch mein Rennradtraining geboostet haben; wie sehr mir die Heulerei auf den Sack geht, dass Läufe abgesagt werden; und wie sehr mir die Motivationsparolen auf den Sack gehen, dass wir doch alle trotzdem laufen und happy sind. Aber was gab es da groß zu sagen?

Langsam kommt Bewegung in die Sache. Es ist spannend zu sehen, wie die Trailrunning-, Rennrad- und Triathlon-Szenen mit den Absagen umgehen, wie sich meiner Meinung nach total unnötige virtuelle Events etablieren – auch wenn sie Marketing-technisch echt gut und clever sind – und wie sich die Communities schon jetzt verändern. Gewinnen insgesamt die agilen kleinen Events? Sterben genau die, weil sie keine finanziellen Polster haben? Wie viele der Corona-bedingten neuen LäuferInnen werden dabei bleiben?

Nachdem ich meinen Frieden mit all den Wettkampfabsagen gemacht habe und sowohl Knie, als euch Hüftbeuger wieder sauber arbeiten, kommt auch die Motivation fürs Lauftraining zurück, der Spaß beim wald- und hügelflowen. Und dann das: Easy im Elbsandsteingebirge unterwegs. Es ist das erste WE an dem die innerdeutsche Grenze und der Naturpark wieder offen sind, das Wetter ist bestens. Kurz nicht aufgepasst, Sturz auf einen Felsen, Schmerz und eine s-förmig vom Unterarm abstehende Hand. Bergrettung alarmiert, aufgrund von unzugänglichem Gelände Bergung via Hubschrauber. Befund: Speiche gebrochen, Abriss der Elle, Operation mit Vollnarkose, Sportstopp für Wochen. Viele Wochen. Wettkämpfe sind eh nicht in Sicht, also buchen wir diesen Scheiß auch noch aufs ohnehin schon tiefrote Karmakonto von 2020. Jetzt bin ich gezwungenermaßen einhändiger Neulinkshänder und brauche zum Zähneputzen und Texte tippen halt anstrengende Ewigkeiten.

Verbittert? Zynisch? Nicht wirklich. Meine Rennradjahreskilometer habe ich durch meine Kopffreiausfahrten eh schon fast drin. Und dass 2020 das krasseste Jahr ever – für mich – ist, ist längst akzeptiert. Denn auch joblich läuft lange nicht alles easypeasy. Aber das ist eine andere Geschichte. Fest steht:

  1. Die Komfortzone ist ziemlich weit weg.
  2. Never back down.
  3. Ich habe noch einiges vor dieses Jahr.

Umfänge steigern – Laufcamp in der Lüneburger Heide

„Hast du schon den Wetterbericht fürs Wochenende gesehen?“ fragt ein Laufkollege an einem lauen Dienstagabend im Februar. „Nur Regen. Und davon richtig viel.“ Am Wochenende soll es in die Lüneburger Heide nach Müden gehen. 2,5 Tage, 4 Läufe, rund 80 km, übernachten im traumhaften Winkelhof. Tolle Aussichten, wenn es nur regnet und stürmt…

Der Gedanke hinter dem Laufcamp: Früh in der Saison diverse längere Läufe hintereinander setzen und so auf die kommenden Langdistanzen vorbereiten. Freitagabend 16 km, Samstag 12 und 21 km, Sonntag nochmal 30 km. „Es geht um den Umfang, nicht das Tempo.“ Ist nicht immer leicht, die Pace im Zaum zu halten, funktioniert aber immer besser, je fortgeschrittener die Laufkilometer werden. Die Heide zeigt sich dabei von ihrer schönsten Seite:

Lüneburger Heide - ein Lauf-Traum (c) R. Margerie
Lüneburger Heide – ein Lauf-Traum (c) R. Margerie

Sogar die Heidschnuckenherde kommt vorbei. Mehr Klischee kann man sich gar nicht wünschen:

Und auch noch Heidschnucken!  (c) R. Margerie
Und auch noch Heidschnucken! (c) R. Margerie

Wenn es nicht dreckig ist, war es kein CX: SiSu Winter-Duathlon im Grunwewald

„Jetzt weiß ich, warum ich eine Radbrille anziehen sollte. Ich glaube, ich bin schmutzig geworden“, sagt sie. Unsere Gesichter, Klamotten, Räder sind Matsch-gesprenkelt, der Puls beim Zieleinlauf des SiSu Winter-Duathlon so hoch, wie es sich für einen vernünftigen Wettkampf gehört.

Es hat immer wieder geregnet die letzten Tage – für heute waren schwerer Wind und Regen angesagt. Doch der 14. Winter-Duathlon der Triathlongemeinschaft SiSu Berlin hat Glück: seit Wochen ist es warm, seit gestern trocken, wir starten mit nur leichter Wolkendecke auf die 5,5 km Laufstrecke, die wir anschließend noch 4x mit Mountainbike oder CX Rad fahren. Als Sahnehäubchen ist final noch ein 3 km Stich zu laufen. Duathlon halt. Im Grunewald. Cross. „Die Strecke ist in gutem Zustand“, heißt es am Vortag. Matsch können Berlin und Brandenburg einfach:

"Guter Zustand" - so geht CX in Berlin und Umland (c) Triathlongemeinschaft Sisu Berlin
„Guter Zustand“ – so geht CX in Berlin und Umland (c) Triathlongemeinschaft Sisu Berlin

Schnee, Berge, Fokus – so geht Saisonauftakt

Hinter den 2.000ern geht hellrosa die Sonne auf, schiebt sich langsam durch die Nadelwälder. Der Schnee quietscht unter den Schuhen, ans Frieren ist trotz Minusgraden nicht zu denken: das Herz ballert, die Lunge pumpt. Es geht bergauf, auf zugeschneiten Wander- und Forstwegen am Brenner.

Sonnenaufgang in der Brenner-Gegend - das Läuferherz springt
Sonnenaufgang in der Brenner-Gegend – das Läuferherz springt

Familienausflug zum Jahresbeginn. „Skifahren? Toll!“ Nicht wirklich. Dieses Mal steht der Fokus auf Familie. Dabei ist das Steinacher Skigebiet nur einen Steinwurf entfernt. Das Läuferherz hingegen freuts: Vor Sonnenaufgang in die Kälte und ab in den Hang. Höhenmeter sammeln und mit den ersten Sonnenstrahlen ins Tal und die gegenüber liegenden Berge schauen. Klare Luft, die literweise in die Lungen gepumpt wird, unebenes Terrain das die Trittsicherheit übt, Downhills die statt aus Wurzeln, Steinbrocken oder gar Asphalt aus Schnee und Eis bestehen – und keine Menschenseele unterwegs. Fokus auf den Lauf, auf den nächsten Schritt, auf den Puls. Sonst nichts.

Rückblick 2019: Höhenmeter, Geschichten, Erfahrungen und Nimbus-Absage

2019 war krass: 2700 Laufkilometer, 4000 Radkilometer, 70.000 Höhenmeter gesamt. Was bleibt hängen? Was bringt 2020?

Transalpine Run 2019 – das Ende der Strapazen (c) PlanB / Klaus Fengler
Transalpine Run 2019 – das Ende der Strapazen (c) PlanB / Klaus Fengler

Der Veranstaltungskalender 2019 war schon Anfang des Jahres prall gefüllt. Kein Wunder – mittlerweile sind viele Lauf-Events extrem schnell ausgebucht. Da sollte man schnell sein. Dazu kamen spontane Entscheidungen. Und ganz nebenbei der Transalpine Run. Manche Entscheidung war fragwürdig, aber bereut habe ich keine. Ich bin tatsächlich ohne nennenswerte Verletzungen durchgekommmenn. Spoiler: Davon bleit eine Menge hängen – als Erinnerung, aber auch als Erfahrungswert.

Und sonst? Was steht ganz oben auf der Erinnerungsbestenliste nach einem Jahr voller Höhepunkte?

Mehr rausgehen, mehr laufen, mehr Klappe halten

Der letzte Wettkampf ist Wochen her, Umfang und Intensität des Trainings haben sich verschoben, das Laufjahr 2019 geht zu Ende. Für den Rückblick fühlt es sich zu früh an, für eine Standortbestimmung nicht.

Herbstlauf in der Schorfheide - so karg, so schön
Herbstlauf in der Schorfheide – so karg, so schön

Es geht schon wieder los – Jahresrückblicke wohin man schaut. Und wird von Jahr zu Jahr schlimmer? Wird es bestimmt, denn das ist ja immer so. Aber da wir alle eifrig unsere Läufe, Radfahrten, sonstige Trainings und teilweise sogar Fahrten zum nächsten Supermarkt tracken, ist genau jetzt die Zeit, die avisierten Jahresziele zu checken und zu posten. Fehlen mir noch 27 Kilometer zum Jahresziel? Bin ich schon 12% drüber? Feiern wir uns gegenseitig!

1. Oberlausitztrail: Perfekte Premiere

Starkwind im Gesicht, abwechselnd Regen und Nebel, es ist kühl – die Premiere des Oberlausitztrails hat es nicht leicht. Und doch: die Wolken ziehen immer wieder auf, die Landschaft ist wunderschön, die Strecke super gewählt und die Premierennervosität der Organisatoren unbezahlbar charmant. Schöner kann ein kleiner Herbst-Ultra kaum sein.

Verwunschen schöne Oberlausitz
Verwunschen schöne Oberlausitz

Vor der Startlinie stehen zwei Tische. „Die könnt ihr auch wegräumen,“ lässt uns der Moderator wissen, als sich die knapp 90 StarterInnen des 1. Oberlausitztrails für die lange Runde aufstellen. Lang, das heißt hier 48 km inkl. 4 km Asphalt und 1.200 Höhenmetern. Dann wird runtergezählt. „3 -2 -1 – – – – Stille.“ Kein Schuss. Niemand startet. Alle schauen etwas verwirrt. Naja, dann laufen wir halt doch und einfach so. Nach 15 Metern dann ein Schuss. „Wir müssen jetzt aber nicht zurück, oder?“ „Ich glaube nicht.“ Die Stimmung passt jedenfalls, als es die wenigen hundert Meter aus Gaußig raus und Richtung Waldwege geht. Der 1.Oberlausitztrail hat begonnen, 1h später als ursprünglich geplant, weil auch noch eine Treibjagd im Wald stattfindet. Na dann…

Röntgenlauf in Remscheid: So herzlich ist das Bergische Land

Eigentlich ist der fast schon historische Röntgenlauf in Remscheid ein Landschaftslauf wie viele andere auch. Eigentlich. Tatsächlich ist hier aber einiges anders – allem voran die einmalige bergisch-rheinische Stimmung. Ein Lauf, der Freude macht und zu Recht einen hervorragenden Ruf hat.

Herbst im Bergischen Land (c) Röntgenlauf 2011
Herbst im Bergischen Land (c) Röntgenlauf 2011

Im Gegensatz zu vielen anderen Läufen ist das Social Media Brimborium zum 19. Röntgenlauf minimal, die Homepage auch nicht mehr ganz auf dem aktuellen Standard. Aber der Lauf soll prima sein. Das hört man immer wieder. Und auf den Lauf kommt es schließlich an. Also ab ins Bergische Land. Warum der Lauf an einem Sonntag stattfindet, erschließt sich mir zwar nicht, da ein Samstag für die meisten Anreisenden viel praktischer wäre, aber geschenkt. Vor dem Start das erste Novum für den atheistischen Läufer aus der Hauptstadt: eine ökumenische Andacht 10 Minuten vor dem Start. Interessant. Ebenfalls interessant ist das Strecken-Setup. Wir Ultras laufen 63,3 Kilometer – 3 Halbmarathons, die als einzelne Etappen den ganzen Lauf strukturieren.

42. Burgenlauf in Bad Belzig: Herzlichkeit im Hohen Fläming

„Der Start ist dieses Jahr nicht mehr am Marktplatz! Wir starten dieses Mal direkt unten vor der Burg!“ Es scheint auf Burg Eisenhardt in Bad Belzig heute nur ein zentrales Thema zu geben – den geänderten Startplatz. Uns wenigen ErstteilnehmerInnen ist das herzlich egal. Irgendwo wird es schon losgehen. Da sich nach über 40 Jahren Burgenlauf aber aber fast jeder hier kennt, bewegt das natürlich die Gemüter.

Der Burgenlauf im Vorjahr (c) Burgenlauf
Der Burgenlauf im Vorjahr (c) Burgenlauf

Aber wie kann es eigentlich sein, dass dieser Lauf 2019 schon zum 42. Mal veranstaltet wird, im nur gut 1h entfernten Berlin aber doch relativ unbekannt ist? Man läuft durch viel Natur im wirklich schönen Hohen Fläming, die Orga ist einfach aber effektiv. Die Strecken umfassen 25km, 8km, 3,3km und für die Kids 1,3 Kilometer. Start und Ziel ist die Burg Eisenhardt in Bad Belzig, die zweite von drei Verpflegungsstellen ist im Hof der Wiesenburg – auch das gibt es nicht alle Tage.

Wenn schon Rennsteig, dann hoch 3 und komplett

„Das Klima in Neuhaus ist sehr rau mit sehr schneereichen Wintern und kalten, feuchten Sommern. Der Ort hält seit Mai 1996 mit 242 Stunden (zehn Tagen) den deutschen Rekord der längsten durchgängigen Nebelperiode.“ Sagt Wikipedia. Wie gut, dass wir Neuhaus für die nächsten drei Tag zu unserem Headquarter gemacht haben. Der Plan für das dank Tag der Deutschen Einheit lange Wochenendes: Die rund 90 Kilometer vom Rennsteig laufen, die uns nach dem Rennsteig Supermarathon noch fehlen, dann einen Tag erholen. Anschließend am Sonntag den 29. Rennsteig Herbstlauf mitnehmen und damit Rennsteig³ und den Rennsteig einfach mal überhaupt abhaken.

Klingt toll – bis wir am Feiertag um 6:30 am überraschend vollen Bahnsteig stehen. Was wollen die alle hier um diese Zeit? Und warum ist es eigentlich so kalt?

Rund 5h später laufen wir endlich – dem vorausgesagten Regen-WE entgegen. 2 Berliner, die in den Laufrucksäcken ausnahmsweise mal auch Zahnbürste, Kabel, Adapter und ein warmes Vlies für den Abend haben.

Schöne Blicke weg von der Rennsteig-Waldautobahn
Schöne Blicke weg von der Rennsteig-Waldautobahn

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