No Comfort Zone

Schlagwort: Trailrun

Hunsbuckel Trail: ein Juwel der Mittelgebirgsläufe

Warme Sonne, trockene Wiese, Arme und Beine weit von mir gestreckt – ich bin total durch. Der Hunsbuckel Trail 2019 fordert derbe. Hätte ich so nicht erwartet. Neben mir liegt ein Läufer, der noch genügend Energie hatte, eine dünne Jacke überzuziehen. „Ich könnte auch einfach nach Hause fahren und mich ins Bett legen. Aber zu Hause warten zwei Kinder auf mich und werden mir keine Ruhe lassen. Da bleibe ich lieber noch was hier.“ Sagt‘s und macht sich wieder lang.

So einfach die Szene ist, so typisch ist sie für den HuBuT: Anstrengend, aber auch so wahnsinnig sympathisch. Einer der schönsten Landschaftsläufe in Deutschland. So viel schon vorweg.

Wir hatte dieses Jahr viel Glück. Im Gegensatz zur Hitzeschlacht 2018 war ein verregnetes Wochenende mit Starkregen am Lauftag angesagt. Es ist entsprechend matschig, als es um 7h für rund 200 LangdistanzläuferInnnen losgeht. 66 km, 1.600 Höhenmeter. Es ist dampfig, aber kein Regen. Und es bleibt dampfig. Als läuft man durch eine alte Waschküche, denn im traumhaften Hunsrücker Wald geht natürlich kein Lüftchen – egal wie lauthals die Windräder auf den Hügeln drehen. Singletrails, Wurzeltrails, es flowt, es windet sich, es geht immer leicht auf und ab, über kleine Brücken und Flüsse. Asphalt gibt es nur an den wenigen Straßenquerungen, dafür immer wieder leicht technisches Waldterrain. Die erste Getränkestelle wird von allen Läufern im vorderen Drittel ignoriert, sie kommt ja auch schon nach rund 5 km.

Burgruine am 1. VP (c) Hunsbuckel Trail via Facebook
Burgruine am 1. VP (c) Hunsbuckel Trail via Facebook

Bis zur ersten echten VP dauert es rund 18 km. Malerisch vor einer Burgruine. Wow. Die Auswahl ist mit Obst, Keksen und Tucs rudimentär, die HelferInnen dafür so wahnsinnig nett, dass man gerne bleiben möchte. Gemeinsam noch ein paar Kekse naschen und die Ruine vor aufklarendem Himmel genießen. Aber es ruft das nächste Highlight: Deutschlands höchste und längste Hängebrücke – die Geierley. Aushängeschild des HuBuT, zusätzlicher Touri-Magnet für den Hunsrück. Der Weg dorthin windet sich genauso schön weiter wie bisher, bis er sich über ein paar Serpentinen um etwa 300 Höhenmeter hochschraubt. Und da ist sie. Die Geierley. Erst drunter durchgelaufen, Bogen, und schon ist man drauf. Was ein geiles Gefühl!

Die atemberaubende Geierlay (c)   Hängeseilbrücke Geierlay in Mörsdorf via Facebook
Die atemberaubende Geierlay (c) Hängeseilbrücke Geierlay in Mörsdorf via Facebook

Keine Spur von Höhenangst bei den Läufern. Auch ich gebe Gas, spurte das Gefälle hinunter, 100 Meter über dem malerischen Tal. Auf der anderen Seite betreten ein paar Touris die Brücke. Das Konstrukt ist ihnen nicht geheuer. Eine Hand krampft am Geländer, unsicher ein Fuß vor dem nächsten. Dass ihnen ständig Verrückte mit breitem Grinsen entgegenlaufen, macht es wohl nicht besser.

Das erste Drittel des HuBuT ist rum. Was soll nach solchen Highlights noch kommen? Weiter Singletrails natürlich, dazu kleine Klettersteigchen wie den Diellaysteig mit Fußrasten und Führungsseil (Alpinisten: Klappe halten, es hat Spaß gemacht!), Felshöhlen, ziemlich alte Ruinen, feinster Mischwald, weiter auf und ab. Warum war ich eigentlich als Kind nie hier? So viele Spielplätze!

Langsam machen sich aber auch die Kilometer und Höhenmeter bemerkbar. Über viele Anstiege bügel ich weg – Tendenz aber fallend. Im zweiten Drittel ziehen einige Läufer an mir vorbei. Sehen wir uns im letzten Drittel nochmal? Die Beine werden schwerer und schwerer. Die VPs kommen spärlich. Es gibt nur vier, die Distanzen dazwischen 12 bis 14 Kilometer. Leichte Verwirrung am letzten VP. Die Uhr sagt 57 km, also noch 9 km bis zum Ziel. Die HelferInnen sagen, wir seien schon bei 59 km. Die Kraftreserven würde es freuen.

Wir sind bald in Kastellaun. Schönes Städtchen mit Fachwerkhäusern, Burgruine, Stadtmauer. Ich war gestern schon hier und weiß, wo wir sind – es sind jetzt nur noch rund 6 Kilometer. Ab dafür. Berg hoch. Die anderen gehen, ich ziehe vorbei. Sammel diverse LäuferInnen ein. Da längst alle drei Strecken wieder vereint sind (66 / 39 / 12 km) ist nicht ganz klar, wie sich das auf die Platzierung auswirken wird. Ist aber auch egal. Ich bin eh alle und will nur noch ankommen.

Wir verlassen Kastellaun. Im Wald kommen wir bald wieder auf den vom Hinweg bekannten Weg. Doof, dass es beständig latent bergauf geht. Mein Kastellaunschub fordert Tribut. Durchhalten. Noch 3 km? Müsste hinkommen. Weiter leicht bergauf. Irgendwann, irgendwann zeigt die Uhr das Ziel an. Noch zwei Matschwegabbiegungen, dann der Zielbogen. Ein paar Zuschauer stehen auf dem Feld, klatschen. Gib nochmal etwas Gas, du willst doch nicht wie ein Zombie einlaufen. Danke auch, innere Stimme.

Final werden es 7:45 h und Platz 30. Ich bin zufrieden, hatte aber eigentlich mit etwas weniger bei beidem gerechnet. Merke: unterschätze niemals unsere Mittelgebirgsrennen!

Glücklich und voll im Arsch liege ich auf der Wiese, die nicht im Starkregen zerwalkt ist, sondern trocken und warm. Ein Segen. Und der passende Abschluss dieses tollen Rennens, das bestens und ohne großen Schnickschnack, dafür mit einer tollen Route und viel familiärer Atmosphäre organisiert ist. Inklusive übrigens Übernachtungsmöglichkeiten im örtlichen Gemeindehaus / Turnhalle, wo es auch Duschen gibt.

Einzig zwei kleine Kritikpunkte: Für überregionale Starter – ja: mich zum Beispiel – ist Sonntag als Lauftag ausgesprochen unpraktisch. Eine lange Heimreise, die mit ÖPNV übrigens unmöglich ist, ist an einem Samstag mit freiem Sonntag danach einfach relaxter. Und die angekündigt „kaiserlichen“ Verpflegungsstellen waren im Vergleich zu anderen Läufen doch eher solide. Es gab von allem genug und die HelferInnen waren großartig, aber es waren zum Beispiel weder Gels noch Riegel dabei. Das ist per se kein Problem. Eine so große Ankündigung führt aber dazu, dass die Eigenverpflegung kleiner gehalten wird. Keine gute Kombi bei einem 66 km Lauf und nur vier VPs. Das ist aber nur eine Frage der Kommunikation. Also kein Beinbruch.

Kurzer Gedanke im Gras: Das German Traillrunning Cup Finisher-Shirt ist damit auch im Sack. Bleichlochlauf: Check. Mtut: Check. HuBuT: Check. Jetzt noch den großartigen Heldentrail – oder kommt da vielleicht ein spontaner Transalpine Run dazwischen? Das wäre eine dumme Idee… Aber ich mag dumme Ideen!

HuBuT – es war eine Freude. So ein Juwel von Trailrun findet man selten in unseren Mittelgebirgen. Wir sehen uns 2020!

Hunsbuckel Trail Höhenprofil (c) strava.com
Hunsbuckel Trail Höhenprofil (c) strava.com

Tromsø Skyrace: Wenn du glaubst, du kennst dich mit Trailrunning aus

„Sorry guys, sorry guys.“ Vom winzigen Hamperokken-Gipfel auf 1404 Metern geht es senkrecht runter. Ein Kletterseil als Hilfe – nicht als Sicherung. Der Italiener vor mir ist kurz vor Panik, kurz vor Starre. „Easy man, take your time. No hurry. We all want to get down alive.“ Zitternd schiebt er einen Fuß vor den anderen, krallt sich am Felsen fest. Es sind etwa 20 Meter, bis die Bergspitze sich minimal weitet, das Seil endet. Er schafft es. Stützt sich an die Felswand. Bleich. Atmung kurz vor Hyperventilation. „Do you need anything? Do you have water?“ Er nickt, winkt ab. Wir steigen weiter runter.

Die nächsten rund 800 Höhenmeter abwärts denke ich öfter an ihn. Er wird sich nur noch nach Hause wünschen, denn der Abstieg besteht ausschließlich aus rutschigem Sand, Steinen und immer wieder Felsspitzen. Keine Absturzgefahr, aber fiese Knochenbrechsturzgefahr. Mich schmeißt es nach der Hälfte. Schwerpunkt runter, auf dem Arsch landen. Alles gut. „Falling here is easy, it‘s perhaps the most technical part,“ muntert mich ein Norweger auf, nachdem er sich versichert hat, dass ich ok bin. Er macht den Harakiri-Abstieg schneller als ich. Stürzt selber 3 Minuten später. Rutscht. Rappelt sich auf. Weiter. Ich will nur noch von diesem verdammten Berg runter.

Tromsø Skyrace - Abstieg vom Hamperokken (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019
Tromsø Skyrace – Abstieg vom Hamperokken (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019

Als wir endlich am wunderschönen Bergsee ankommen denke ich an die erste Hälfte des Tromsø Skyrace. Da dachte ich schon, ich hätte verstanden, was mit „extremely technical“ gemeint war. Nach weniger als 3 km durch Tromsø geht es einen schönen Trail zur Seilbahnstation hoch, von dort weiter auf den Bønntuva. Bevor wir oben sind, passieren wir das erste endlose wirkende Geröllfeld. Aufpassen, bevor es wieder flowig wird. Leichte Trails, downhill, Fersengas. Eine Freude. Dann der nächste Anstieg. Immer weiter. Steil. Es wird tatsächlich eng mit der Cut Off Zeit. Das ist ein bisher unbekanntes Gefühl. Und es geht immer weiter hoch.

Als wir irgendwann auf dem Tromsdalstinden auf 1238 Metern ankommen, 20 Minuten vor den 3h Cut Off, der erste ernsthafte WTF-Moment: Der Ausblick ist zwar traumhaft, aber der Track geht auf der anderen Seite weiter. Und zwar nahezu senkrecht über ein bis an den Gipfel führendes Schneefeld runter. Nach ein paar Metern werden es „nur noch“ 45% Gefälle. Wäre das eine Wasserrutsche, wäre sie verdammt steil. Es ist aber keine Wasserrutsche, sondern ein verdammter Berghang! Und ich stehe auf dem Gipfel und soll da runter! Die Läufer vor mir setzen sich und rutschen auf dem Hintern los. Nicht nachdenken. Hinsetzen. Und ab. Füße voraus, Hände hinter mir in den vereisten Schnee. Wäre es nicht so kalt und wäre das nicht ein Berghang, es würde Spaß machen.

Kaum überlebt, geht der Abstieg weiter. Über 1.000 Höhenmeter, extremes Gefälle, Vorsicht bei jedem Schritt. Die nächste Hochebene ist zwar zu sehen, aber scheußllich weit weg. Und als wir sie endlich erreichen, kommt mein persönlicher Hassfeind diverser Wanderungen: Flussquerungen. Ich hasse Flussquerungen! Aber wie will man mit trockenen Füßen ordentliche Blasen kriegen? Also durch. Immerhin, es gibt genügend Trinkwasser. Der Abstieg geht danach natürlich weiter.

Tromsø Skyrace - Flussquerungen (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019
Tromsø Skyrace – Flussquerungen (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019

Endlich Ebene. Können die Beine nach der Tortur noch laufen? Sie können, sie müssen, sie laufen. Nach ca. 2 km die zweite VP. Breivikeidet, 40 Minuten vor Cut Off. Geht doch. Damit habe ich 1:40h, um bis zum Eingang von The Rdige zu kommen. Dem legendären Grat hoch zum Hamperokken-Gipfel. Harter Cut Off dort. 2 Minuten zu spät heißt umdrehen. Also weiter hoch.

Tromsø Skyrace kennt anscheinend nur 2 Geländerformen: steil hoch oder steil runter. Es bleibt steinig, technisch, abschüssig, anstrengend. Achte auf den Weg, nicht die Aussicht und schon gar nicht den Abhang nach unten.

Eingang The Ridge. Gute 30 Minuten vor der Zeit. Ja, es gibt sowas wie einen Trail hier oben. Aber links und rechts geht es mehrere hundert Meter runter und es gilt immer wieder vorstehende Felsen zu umrunden, hochzukrackseln. Wir sind viel auf Händen und Füßen unterwegs. Der Blick auf den Hamperokken-Gipfel ist ehrfurchtgebietend – um es vorsichtig zu sagen.

(Zum vergrößern der Bilder einfach draufklicken.)

Majestätisch, hoch, einsam die Spitze. Gedanklich steht da oben Saruman und kommandiert seine Orks. Konzentration! Es ist erstaunlich, zu wie viel Fokus und Einsatz der Körper nach der bisherigen Leistung in der Lage ist. Positiver Nebeneffekt: da wirklich jeder Schritt, jeder Griff volle Aufmerksamkeit verlangt bleibt überhaupt keine Zeit für die eine fatale Frage: Warum zur Hölle mache ich das?! Dann der Gipfel. 15 Meter mit Seilhilfe hoch. Wow.

Tromsø Skyrace - Gipfel des Hamperokken (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019
Tromsø Skyrace – Gipfel des Hamperokken (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019

Kein Saruman hier oben. Dann also wieder runter. Es sind 90 Minuten bis Cut Off an der VP Breivikeidet. Der ist weit weg.

Zurück zum Bergsee. Während wir durch den Schnee schliddern ruft uns ein Streckenposten zu: „40 minutes left!“ Scheiße, so fühlt sich also ernsthafter Cut-Off-Druck an. Vor uns Geröllfelder. Natürlich. Wie sollen wir da Tempo machen? Ich bin doch nicht den ganzen verdammten Weg gekommen, um dann aus dem Rennen genommen zu werden! Zügig aber vorsichtig weiter. Irgendwann wieder Wald und Ebene. Den Teil kennen wir vom Hinweg. 17 Minuten noch. Kopf an Beine: performt. DNF steht heute nicht zu Debatte! Tempo. 10 Minuten noch. Ich hole andere Läufer ein. Überhole. Eine Norwegerin und ich starten zum Spurt. Matsch. Fluss. Downhill.

DNF.

Ist.

Keine.

Option!

4 Minuten vor Cut Off erreichen wir den Kontrollpunkt. Danke Beine. Ich bleibe im Rennen. Und muss mich der Frage stellen, wie ich den verdammten Tromsdalstinden hochkommen soll. Der Hinweg war steil, aber der Rückweg ist eine Wand. Eine verdammte, 1.100 Meter ansteigende Wand.

Kaum noch Läufer. Wieder Flussquerungen. Weit über 45% Steigung. Ich schließe zu den wenigen Läufern vor mir auf. Schneefelder. Und endlich DAS Schneefeld. Es ist steil und rutschig. Immer wieder rutsche ich auf der entstandenen Tritttreppe weg, Fäuste in den grob kristallisierten Schnee. Als ich endlich über die Gipfelkante komme, strahlt mir die Sonne ins Gesicht. Ich merke erst jetzt, dass ich sie seit Anfang dieses Höllenanstiegs nicht mehr gesehen habe. Eine Rotkreuzmitarbeiterin versorgt uns mit Trockenbeeren und Peanuts. „Are you ok?“ fragt sie besorgt, als ich mich setze. Klaro, bin ja jetzt oben. Aber der Ausblick muss kurz genossen werden.

Tromsø Skyrace - letzter Abstieg vom  Tromsdalstinden (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019
Tromsø Skyrace – letzter Abstieg vom Tromsdalstinden (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019

Was jetzt kommt, ist machbar. Rutschiger Abstieg. Geröllfeld. Nichts neues hier. Dann: flowige und leicht abschüssige Trails. Ich lasse die Beine laufen, es sind noch rund 15 km. Irgendwann kommen nochmal rund 300 Höhenmeter dazu. Easy. Technisch ist hier nichts mehr. Ich passiere einen auf seine Stöcke gestützten Läufer der sich übergibt. „Do you need anything? Do you have water?“ Die Standardfrage. Er winkt ab. „Keep on pushing.“

Ich sehe Tromsø. Zum greifen nah. Die Brücke. Die Kirche Ishavskatedralen. Als ich den ersten Schritt auf die laute, stinkige, nervige Brücke setze merke ich erst, wie sehr ich dieses Stück Stadt herbeigesehnt habe. Bisschen rauf, mehr runter, am Wasser entlang zum Ziel. Passanten klatschen. Letzte Kurve. Zielbogen. Verdammt viele Menschen dahinter. Die Beine laufen. Ich werde angekündigt.

Tromsø Skyrace - Finish
Tromsø Skyrace – Finish

Bam. Tromsø Skyrace 2019 ist geschafft. 58 km, etwas über 4.700 Höhenmeter, 12:42 h. Es ist das krasseste Rennen, das ich je erlebt habe. Technisch. Gefährlich. Fordernd. Definitiv nur für erfahrene LäuferInnen.

Wir hatten das Glück, bei strahlendem Sonnenschein zu laufen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie The Ridge ist, wenn der Fels feucht vom Nebel ist. Wie die Abstiege sind, wenn der Boden regennass und matschig ist.

Das Tromsø Skyrace sollte das Abenteuer 2019 für mich werden. Und genau das wurde es auch. Ich nehme eine Menge Erfahrungen mit nach Hause. Und Dankbarkeit, dass ich diesen Lauf gesund und innerhalb der für Hobbyläufer harten Cut Off Zeiten laufen konnte.

Trotz der perfekten Bedingungen haben 36% der 188 Starter aufgegeben oder wurden aus dem Rennen genommen.

Tromsø Skyrace - Höhenprofil (c) strava.com
Tromsø Skyrace – Höhenprofil (c) strava.com
Und so sah das bei den Profis aus

(Fotos (c) Tromsø Skyrace / Race Briefing 2019)

Zugspitz Ultratrail 2019: dramatisch, episch, emotional

Der Zugspitz Ultratrail schreibt seine eigenen Geschichten. Zentral in der 9. Auflage: Unwetter, Absagen, Wut, Zusammenhalt, Hitze, Schweiß, Tränen, Stolz und endlose Freude.

ZUT Impressions 2019 (c) PLAN B / Kelvin Trautman
Das Scharnitzjoch fordert Tribut (c) PLAN B / Kelvin Trautman

Es ist schwül, deutlich über 30 Grad, Unwetter ist angesagt und die Wolken hängen schwer. Nach rund 1.200 absolvierten Höhenmetern und anschließend über 25 Kilometern in der Ebene geht es schon wieder steil bergan. Ich habe noch nie so viele starke und erfahrene Läufer am Rande des Kollaps gesehen. Die meisten haben wohl in der Ebene überpaced. Es zieht sich, doch meine Taktik scheint aufzugehen: auf der Geraden Körner sparen, Anstiege sauber durchziehen, Abstiege entweder laufen lassen oder überleben, am Ende Tempo machen.

24h vorher: Es ist heiß in Grainau, während immer mehr Sportler über die Expo schlendern und kaufen, fachsimpeln, erzählen. Der ZUT ist ein großes Familientreffen. Ein Thema schwingt bei vielen mit: Für Samstag ist Gewitter angesagt. Und Gewitter in hochalpinen Bergen ist nicht zu vergleichen mit Regen im Mittelgebirge. Am Nachmittag schweigt der Buschfunk rum, dass die Distanzen Ultratrail (102,5 km) und Supertrail XL (82 km) abgesagt seien. Alle entsprechenden Teilnehmer*innen werden auf den Supertrail (64 km) gesetzt. Die Stimmung ist seltsam, die Hitze steht, die Schwüle wird schwerer. Es hängt was in der Luft – Emotion und Wetter. Das spürt jeder. Dann die offiziellen Nachrichten per Mail, SMS und Social Media. Die Gerüchte stimmen.

Race Briefing. Heute keine Vorabend-Party mit lokaler Peitscheneinlage zur Heimatmusik. Nach den obligatorischen Grußworten stehen die aktuellen Infos im Mittelpunkt. Ganz groß: Streckenchef Martin Hafenmair lädt alle Unzufriedenen ein: „Redet mit mir, diskutiert mit mir, beschimpft mich – das ist ok für mich. Aber den Mist in den sozialen Medien toleriere ich nicht.“ Lautester Beifall, 90% der Läufer*innen stehen hinter der Entscheidung. Nur ein paar Deppen verstehen es einfach nicht und pöbeln in den Netzwerken weiter.

Samstagmorgen. Der Start in Leutasch Weidach wird spannend. 1.500 Starter statt der eigentlichen 500. Aber: läuft. Taschenkontrolle läuft reibungslos, Aufstellung in zwei Startblöcken, Start von 10h auf 8h vorverlegt, die Stimmung ist gut, das Wetter noch hervorragend, aber auch schon ziemlich warm.

ZUT Impressions 2019 by Kelvin Trautman
Start in Leutasch Weidach (c) PLAN B / Kelvin Trautman

Nach 4km, die vorne sehr zügig durchgezogen werden, geht es 800 Meter hoch zum Scharnitzjoch. Was ein Ausblick. Noch halten alle mit, es ist angenehm frisch oben. Sofort geht es wieder runter. Als erstes über ein rund 1 Kilometer langes Schneefeld. Viele laufen johlend mit langen Sprüngen durch die rutschig pappige Weiße, andere investieren Zeit, Nerven und viel Energie beim vorsichtigen Abwärtsrutschen. Beim folgenden Matschstück haut es mich frontal in die braune Suppe. Nichts passiert, eingesaut, weiter. Über die Schnee-Matsch-Kombination kommen ohnehin nicht viele ohne Bodenlandung.

ZUT Impressions 2019 by Markus Frühmann
Abstieg nach dem Scharnitzjoch (c) PLAN B / Markus Frühmann
ZUT Impressions 2019 by Markus Frühmann
Abstieg nach dem Scharnitzjoch (c) PLAN B / Markus Frühmann

Ich bin spontan verliebt in die folgenden Trails, die Ruhe, den Blick, die Luft. Trotzdem schreddert der Abstieg die Oberschenkel, bevor unten endlich die erste Verpflegungsstelle erreicht wird. Die Schwüle hat uns wieder. Es drückt. Wir sind längst klitschnass.

In der Ebene werde ich ungewohnt oft überholt. „Kontrolle. Bleib beim Plan!“ Die meisten werde ich bald schon wiedersehen. Nach den zähen Kilometern gerade aus geht es am Ferchensee und an Badegästen vorbei. Der Himmel zieht sich immer weiter zu. Mein Fehler: Ich glaube, dass auf dem langen Stück zwischen dem aktuellen VP 3 und VP 4 wie bisher Bäche oder Seen kommen werden und schiebe es auf, den Kopf ins Wasser zu halten. Leider bleibt es trocken. Kein Wasser mehr weit und breit. Über die Elmauer Alm geht nochmal steil bergab und gleich bergauf zur Partnnachalm. Kollektives Überhitzen. Der Anstieg macht die meist männlichen Läufer im vorderen Drittel fertig. Erleichterung erst bei VP 8. Wasser, Trinken, Essen.

Ab jetzt geht meine Rechnung voll auf: Vor den letzten 1200 Höhenmetern und dem finalen 1.300 HM Abstieg fühle ich mich frisch und runtergekühlt. Runners High. Gleichzeitig wird es finster am Himmel. Zeitgefühl ist längs weg. 14:00 sagt die Uhr. Wow, das Sub-10-Stunden-Ziel könnte erreicht werden. Hoffentlich hält das Wetter.

Es geht hoch. Hoch. Hoch. Die Grüppchen haben sich extrem ausgedünnt. Aus Forstwirtschaftswegen werden Trails und enge Serpentinen. Bis endlich, nach ewigem Aufstieg, die erste Höhe erreicht ist. Hier eine kleine Routen-Änderungen aufgrund der Schneelage und Wetteraussicht, so dass es über Schnee und Matsch zur Spitze geht, aber über die breiten Wege wieder hinunter. Tiefdunkler Himmel. Es ist kalt. Der Blick ins karge Hochgebirge ist überwältigend.

ZUT Impressions 2019 by Kelvin Trautman
Der letzte Gipfel – was für eine Kulisse! (c) PLAN B / Kelvin Trautman

Bergab wieder das Mantra: „Bleib bei dir, bleib aufmerksam!“ Viele lose Steine am Boden. Es läuft sich schnell, die Stöcke bleiben am Start für Traktion und Kontrolle. Nach dem letzten VP dann ein extrem technischer Serpentinen-Trail ins Tal. Ich laufe komplett alleine und gebe Vollgas. Im unteren Drittel überhole ich diverse Basetrail XL Starter. Ein einzelner Läufer überholt mich trotzdem, wir springen recht leichtfüßig an einer verstörten Gruppe Trekking-Ausflügler vorbei, die fassungslos ruft: „Ihr seid doch verrückt!“ Wir antworten im Chor: „Danke!“ Ich verbuche das mal als Lob.

Nur noch wenige Minuten und der Trail endet in einer Straße. Die mündet in Grainau. Der Weg durchs Dorf. Abbiegen zum Musikpavillon. Dort das Ziel!

Ich bin fertig.

Glücklich. Geflasht. Geflutet von Emotionen und Endorphinen.

Die Leuchtschrift sagt 9:25h. Verdammt geile Zeit! Deutlich sub 10!

Der Zugspitz Ultratrail 2019 ist Geschichte.

5 Minuten nachdem ich im Ziel bin, setzt der Wolkenbruch ein. Zum Glück nur 15 Minuten lang.

Die folgenden Läufer sind nass aber glücklich. Sie kommen einzeln, in Gruppen, noch stundenlang. Der letzte Läufer erreicht nach 15:56:51 das Ziel. Es ist längst stockdunkel.

Höhenprofil des ZUT Supertrail 2019 (c) strava.com
Höhenprofil des ZUT Supertrail 2019 (c) strava.com

Hätte der ZUT 2019 trotz Unwetterwarnung wie ursprünglich geplant stattfinden können? Wahrscheinlich. Trotzdem war die getroffene Entscheidung 100% richtig. Noch nie habe ich so viele Läufer gesehen, die abbrechen mussten, weil Hitze, Schwüle und der anspruchsvolle Trail sie fertig gemacht haben. Auch ohne 102 und 82 Kilometer. Hut ab vor der Chuzpe der Organisatoren und der Flexibilität!

2020 wird der Zugspitz Ultratrail 10. Ich bin gespannt, welche Geschichte das Jubiläum schreiben wird. Klar ist: Ich werde dabei sein!

(Alle Fotos (c) PLAN B / Markus Frühmann & Kelvin Trautman)

FichtelbergUltra: toller take-it-or-leave-it-Lauf

1214m hoch, umgeben von Wald und Bergwiesen – der Fichtelberg hat eine mystische und wunderschöne Anziehungskraft. Mit 1214m Höhe weithin sichtbar, muss man sich den Blick aufs malerische Erzgebirge aber erst verdienen. Wie es sich für einen Berg gehört.

Genau das machen rund 100 Läufer bereits zum 6. Mal: 2019 startet der FichtelbergUltra mit Teilnehmerrekord wieder aus dem Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz.

Start am Wasserschloss Klaffenbach, 7h morgens
Start am Wasserschloss Klaffenbach, 7h morgens

55 Kilometer und 1.600 Höhenmeter gilt es zu machen, 3 Verpflegungspunkte unterstützen die Läufer. Genau diese Eckdaten haben mich gelockt, als ich von diesem Lauf hörte:

  • Überschaubare Distanz mit tollem Höhenprofil
  • Teilnehmer-Limit das eine familiäre Atmosphäre verspricht
  • 1 Lauf, keine Varianten, kein hier-findet-jeder-seinen-Lauf
  • keine Trailrun-Butterfahrt mit Catering alle 7 Kilometer

Ergo: Ein ehrlicher take-it-or-leave-it-Lauf.

Start vor dem Schloss / TN-Limit: 100
Start vor dem Schloss / TN-Limit: 100

Nach dem netten Race Briefing am Abend vorher im Schloss, startet der Lauf mit phänomenalem Wetter um 7h. Es soll heiß werden. Und schon nach den ersten 200 Höhenmeter und ersten Kilometern hat sich die Läuferschaft angenehm auseinander gezogen. Der Schweiß rinnt. Die erste VP kommt bei KM 17 – und ist tatsächlich plötzlich schon da.

Von Kilometer 12-25 finde ich total in meinen Lauf, Kopf aus, die Beine machen das schon. Der Lauf ist der Komplettkontrast zum Rennsteig Supermarathon vor 2 Wochen: Wenig Läufer, voller Fokus auf die Strecke, Flow, wenig Unterbrechungen.

Streckenprofil des FichtelbergUltra
Streckenprofil (c) FichtelbergUltra

Die Strecke zwischen VP 2 und 3 zieht sich etwas, danach geht es nur noch bergauf. Fast nur. Kurzzeitig steht ein Downhill-Teil an, der von querliegenden Bäumen unterbrochen ist. Veranstalter Ronald hat mehrfach darauf hingewiesen. Letztlich entpuppt der Teil sich als einer der schönsten der Strecke. Nach vielen tollen Waldwegen endlich ein Gefühl von Trail und querfeldein!

Trail-Gefühl beim FichelbergUltra
Trail-Gefühl downhill (c) FichelbergUltra

Beim finalen Anstieg machen sich die Stöcke bezahlt, die an VP 3 hinterlegt werden konnten und die vor allem die letzten 5 Kilometer steil bergauf zum Einsatz kommen. An der letzten Treppe zum Gipfel stehen erstmals applaudierende Zuschauer. Ein schöner Empfang, denn nach 55 Kilometern und einem darauf ausgerichteten Energie-Invest sind wir alle ziemlich am Ende, als endlich die Treppe auftaucht.

Die letzten Meter - hier noch ohne Publlikum
Die letzten Meter – hier noch ohne Publlikum (c) FichtelbergUltra

Oben dann der übliche Fichtelberg-Trubel: Wanderer, MTB-Fahrer, vereinzelte Rennrad-Fahrer, viele Motorräder – und der Zielbogen. Die Zeit wird von Hand gestoppt, die Urkunden von Hand geschrieben, der Kuchen ist selbstgebacken. Wie geil ist das denn? Kein Technik-Overkill, sondern Familienarbeit. Da erholt es sich im Sonnenschein auf der Terrasse direkt am Ziel gleich doppelt so gut.

Fun Fact am Rande: die gebührenpflichtige öffentliche Toilette ist extra für uns Läufer heute offen, damit nicht wie in den letzten Jahre mitten auf dem Parkplatz eine Umzieh-und-Dusch-Action für verstimmte Zuschauer sorgt. Ob die Touristen sich auf der plötzlich von halbnackten, stinkenden Läufern überfüllten Toilette jetzt wohler fühlten, ist noch nicht bekannt.

Fazit: Ziel war unter 6 Stunden zu bleiben, was mit 5:48h gut geklappt hat. Reicht für Platz 16. Ein toller Lauf, den man mal gelaufen sein sollte. Zählt ganz nebenbei auch für den DUV-Cup.

Hoffentlich bleiben sich die Veranstalter treu und belassen es bei der Teilnehmergrenze und dem familiären Ansatz. Mehr Tickets zu verkaufen, sollte in den nächsten Jahren kein Problem sein. Mit all den Folgen und Veränderungen würde sich das Flair aber deutlich ändern. Und das wäre sehr schade. Macht einfach weiter so wie bisher!

(Die letzten 3 Bilder (c) FichtelbergUltra)

Bleilochlauf 2019 – Perfekter Saison Kickoff

Komischer Name: Bleilochlauf. „Was soll‘n das heißen?“ hört man immer wieder beim Fachgesimpel anderer Läufer. Sein Ruf eilt dem eher kleinen aber sehr feinen Lauf voraus. Also 2019 zum Saison Kickoff gemacht und ausprobiert. Goldrichtige Entscheidung!

Mit Bahn und Bus nach Saalburg zu kommen, ist die erste Herausfoderung. ICE, Regionalzug, 2x Bus. Personen im Gleis, ICE zu spät, Regionalzug wartet natürlich nicht die nötigen 3 Minuten, Busse fahren nur alle 2 Stunden. Immerhin: Bis Schleiz komme ich irgendwann. Auch ganz schön das Städtchen inklusive ehemaligem Bahnhof, ehemaligem Schloss und noch offener Bäckerei. Nur kalt ist es geworden. Berlin: 26 Grad beim Start. Schleiz 12 Grad beim Ausstieg aus Bus 1.

Bleilochstausee und Saale - eine traumhafte Kulisse (c) Roselinhos FotoAtelier Steffen Rössler
Bleilochstausee und Saale – eine traumhafte Kulisse (c) Roselinhos FotoAtelier Steffen Rössler

Endlich mit dem letzten Bus in Saalburg angekommen. Es regnet. Bett im SEZ Kloster reserviert. Etagenbetten. Lange nicht mehr gehabt. Hunger? Es gibt eine Art Pommesbude mit Currywurst am angrenzenden Campingplatz. Danke nein, Vorräte wegmachen und nicht in die nasse Kälte gehen klingt besser.

SEZ Kloster: Start, Ziel, Orga (c) Larasch.de
SEZ Kloster: Start, Ziel, Orga (c) Larasch.de

Der Morgen des Starts: Trocken, kühl, Startzeit: humane 9 Uhr. Und was für ein Lauf, der da folgt! Vorne laufen wir die ersten rund 1,5 Asphaltkilometer mit einem 4:30er Pace – wohlwissend, dass noch gute 46km folgen. Und die sind viel auf Wald- und Forstwirtschaftswegen. Sehr angenehm, schöne Gegend, keine Autos. Richtig großartig wird es aber, wenn die Trails kommen. Teilweise zu schmal zum überholen, bei Kilometer 18 sogar mit Adrenalinfaktor, da es links schroff runter geht und der Sturz irgendwann in der Saale enden würde. Dazu die Burgk (sic) im Hintergrund. Was ein Panorama.

Die Burgk (c) Roselinhos FotoAtelier Steffen Rössler
Die Burgk (c) Roselinhos FotoAtelier Steffen Rössler

Die Strecke bleibt abwechslungsreich und wird im letzten Drittel nochmal richtig wurzelig. Obwohl die meisten Körner schon verbraucht sind, ist hier Konzentration gefordert. Generell fällt auf, dass im ersten Läuferdrittel kaum Pausen an den VP gemacht werden. 48 Kilometer sind halt eine Ansage, aber auch nicht die längste Distanz. Die fehlenden Pausen merkt der Körper zum Ende hin – aber was soll‘s? War ja selbst gewählt.

Im Ziel dann vegetarische Pasta, hervorragender Kuchen, supernette Helfer – und unfassbare Zeiten bei der Siegerehrung. 3:23h hat der Schnellste für 48 Trail-Kilometer und 800 Höhenmeter gebraucht. Unfuckingfassbar! Ich bin mit 4:23h auch mehr als zufrieden. Darauf nochmal Kuchen und alkoholfreies Bier holen.

Kaputt, glücklich und frisch geduscht dann Richtung Heimfahrt-Odyssee. Ein lokales Paar nimmt mich netterweise nach Bad Lobenstein mit, von wo aus es noch 2x Regionalzug und 1x ICE bis nach Hause sind. So immerhin kein Bus. Dem traue ich nicht so ganz. Und das Internet auch nicht. Das ignoriert die Verbindung nämlich. Während der 1. Regionalzug durch die Landschaft mäandert, zieht der Kopf Bilanz, warum es eigentlich so großartig war:

  • Superschöne Strecke – vor allem die Trails
  • Liebevolle und hochprofessionelle Orga
  • Kein Sponsoring-Wahn, sondern Überzeugungsarbeit und Hingabe
  • Überall vegetarisches und veganes Essen – da sollten sich andere Läufe mal ein paar Scheiben von abschneiden

Zwei kleine Anekdoten am Ende:
1) Einwegbecher sollten der Umwelt zuliebe abgeschafft werden, doch die Lieferung der Faltbecher kommt nicht rechtzeitig. Es bricht den Organisatoren fast das Herz. Kein wirkliches Problem, aber es zeigt, wie sehr hier Gewissen und Herzblut mit-organisieren.
2) Am ersten VP mit Snacks bedanke ich mich bei den Helfern. Was kriege ich zurück? „Danke, dass ihr hier lauft! Wenn niemand käme, ständen wir die nächsten Stunden ziemlich doof hier rum mit all dem Essen.“ Eigentlich nur ein lustiger Spruch, der imho aber Bände spricht über das Selbstverständnis der Organisatoren und Helfer.

Hut ab Bleilocklauf!

Und damit niemand dumm sterben muss: Der Lauf geht um den Bleilochchstausee. Der wiederum heißt so weil: „Sperre und Stausee sind nach den Bleilöchern benannt, die sich vor der Anstauung dort befanden und in denen Blei abgebaut wurde.“ (s. Wikipedia)

(PS: Die große Bildergalerie bleibt aus, da ich lieber laufe als Bilder mache. Alle Landschaftsbilder oben stammen von www.bleilochlauf.de.)

Tu es oder lass bleiben – aber laber nicht

“If you die when there’s no one watching
and your ratings drop and you’re forgotten”

So heißt es bei Marilyn Manson in „Lamb of God“. Davon kann man halten was man will – aber mit Worten kann der Mann gut umgehen. Wenn niemand zuschaut, ist es nichts wert. Picture or it didn‘t happen.

Das ist mittlerweile auch im Sport kaum anders.

Heute bin ich über einen Post gestolpert, der zum Blog einer Sportjournalistin führt. Sie bereitet sich gerade auf einen großen und harten Trailrun vor. Gut so. Mehr davon. Natürlich schreibt sie auch darüber. Wer sie ist. Wo sie hin will. Wie schwer das alles ist. Gemeinsam ist ja bekanntlich alles leichter. Es menschelt, der Leser leidet, eifert, schwitzt mit. Und siegt final natürlich auch mit. Das wollen wir lesen. Das geht uns nah.

Was ein Mist.

Warum liegt es eigentlich in unserer DNA, diese beschwerlichen Wege miterleben zu wollen? Damit außergewöhnliche Menschen trotzdem menschlich bleiben und ich so einen Bezug zu meinem leider total austauschbaren Leben herstellen kann? Und warum ist das harte Training z. B. für den ersten langen Trailrun so viel leichter, wenn es unter dem vielstimmig anonymen Antrieb Beifall klatschender Leser und Liker absolviert wird? Große Leistung bedeutet immer auch harte Vorbereitung.

Am Trail starte ich für mich, die Ziellinie überschreite ich alleine. Diese Euphorie teilen zu wollen, ist nur zu verständlich. Irgendwo muss dieses unglaubliche Gefühl ja hin. Auf das ganze Gefunke vorher kann ich gut verzichten. Wie viele Kilometer hast du schon gemacht? Welche neuen Laufschuhe hast du dir gekauft? Auf welches Superfood bist du umgestiegen?

Kein Interesse.

Hast du den Trail, den Berg, die Herausforderung geschafft? Glückwunsch. Erzähl es uns! Das ist verdient. Alles andere braucht kein Mensch.

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