Sägerserie 2020: Krönender Crosslauf-Abschluss vorm Corona Lockdown Light

Die Sägerserie in Berlin ist Legende: Schon Anfang der 70er gegründet, bedeutet sie innerhalb von 4 Wochen 3x Cross- und Trailrun durch den Tegeler Forst mit jedes Mal längerer Strecke. Perfekter Ausklang für den Laufkalender 2020 denke ich mir und melde mich an. Hat ja auch einen super Ruf das Ding. Und dann kommt die zweite Corona-Welle. Unfreiwillig wird die Sägerserie 2020 damit wohl noch legendärer, da der krönende dritte Lauf nur 36 Stunden vor der staatlich verordneten Absage aller Sportveranstaltungen stattfindet. Punktlandung.

Davon wissen wir am 3. Oktober natürlich noch nichts. Indian Summer am Tag der deutschen Einheit und der Sportplatz des SC Tegeler Forst gleicht einem Volksfest. Überall LäuferInnen, richtig schön viele Begleit- und Jubelmenschen, top Stimmung trotz Masken und Abstandsgebot. Leider nehmen immernoch erschreckend viele die Corona-Situation leichtfertig und ignorieren die Bitten der Veranstalter, Maske zu tragen. Für die Laufenden ist das Hygienekonzept dafür umso stimmiger. Es gibt Rolling Starts mit festen Abständen, keine Verpflegung unterwegs und keinen Start ohne Selbstauskunft. Gut so!

Auftakt der Sägerserie 2020 bei bestem Wetter (c) SC Tegeler Forst

In der Diamant-Klasse des Rennens geht es heute 3x auf den offiziell 3,75 KM langen Track – der aber nur 3,5 KM lang ist. Berge gibt es hier natürlich nicht, aber genug Hügel zum drüberbrettern und Muskeln zersägen. Läuft aber gut und ich komme als 2. der Altersklasse ins Ziel. Sehr cool!

14 Tage später. Es hat viel geregnet, aber zum Lauftag wird es warm und trocken. Sogar die Sonne kommt raus. Wow, schon 2x Glück mitten im Herbst. Trotz Teilnehmerrekord mit über 200 Laufenden ist es deutlich leerer als beim Auftakt. Dafür tragen jetzt prozentual viel mehr Leute Maske. Kein Wunder – die Coronazahlen steigen bedrohlich an. Heute also 4 Runden über den schon bekannten Track und dessen Mischung aus Hügeln, Forstwegen, Singletrails, Kurven und dem obligatorischen durchlaufen der Stadionrunde am Ende jeder Runde. Läuft wieder gut und ich komme wieder als 2. der Altersklasse ins Ziel.

Sägerserie 2020 – Aufstellung mit Abstand und Maske (c) SC Tegeler Forst

31. Oktober. Halloween. Die Bundesregierung hat den nächsten Lockdown Light angekündigt. Ab Montag gib es unter anderem keine Sportveranstaltungen mehr. Pünktlich um 12h geht es für uns aber nochmal auf die Strecke. Gleiches erprobtes Hygienekonzept und man sieht fast niemanden mehr ohne Maske. Nur ein Idiot hat sich ein Anti-Merkel-Statement ans Bib-Band geheftet. Wie klein kann man eigentlich sein, eine Sportveranstaltung als Teilnehmer dazu nutzen zu wollen, die eigene politische Überzeugung auszudrücken? Reichlich armselig.

Der Track selber ist natürlich mittlerweile schon ein alter Bekannter und wird heute 5x belaufen. Dürfte matschig werden, der halbe Sportplatz steht nach Dauerregen jedenfalls schon unter Wasser. Aber: es regnet schon wieder nicht und so bleibt auch der finale Sägerlauf zumindest von oben trocken. Läuft gut und ich komme als 2. der Altersklasse ins Ziel. (Hat hier jemand copy/paste gesagt?)

Nasser Zieleinlauf beim Finale der Sägerserie 2020 (c) SC Tegeler Forst

Noch ein letztes Mal angestrengt, noch ein letztes Mal Spaß am trailen, noch ein letztes Mal Wettkampfatmosphäre für 2020. Dass dieses Jahr noch ein weiterer Wettkampf machbar wird, ist unwahrscheinlich. Umso schöner, wenn der Abschluss dann die Sägerserie ist. Die Veranstaltung hat mit den unterschiedlichen Distanzen für jeden das Richtige im Angebot, ist hoch professionell und sehr liebevoll organisiert, die Stimmung ist top und sogar die Musik im Stadion ist angenehm unaufdringlich.

Wir sehen uns 2021 bestimmt wieder! Ich bin ja jetzt offiziell ein Säger. Steht zumindest auf meinem Rundenausdruck. Und auf der Cup-Urkunde steht Altersklasse Platz 2 und Gesamt Platz 7. Kann ich sehr gut mit leben und die Siegerehrung kriegen wir mit viel Abstand auch easy hin.

Siegerehrung der Sägerserie 2020 – mit Mundschutz und Abstand
Höhenprofil der Sägerserie 2020 – sieht tatsächlich aus wie eine Säge (c) strava.com

Erfolgreich wiederbelebt: Der Borderland Ultra 2020

„Zählt das jetzt eigentlich schon als Trail?“ schallt es nach wenigen Kilometern von hinten, während wir bergab über Beton-Loch-Platten laufen und versuchen, uns nicht die Gelenke zu brechen. „Ich finde die Panzerplatten deutlich härter zu laufen als Trails!“ kommt gleich die Erwiderung, während ich aufs Unkraut zwischen den alten Jeep-Wegen der DDR-Grenzer ausweiche.

Wachturm und Grenzzaun erinnern an die Geschichte des Heldburger Landes (c) Borderland
Wachturm und Grenzzaun erinnern an die Geschichte des Heldburger Landes (c) Borderland

Heldentrail vom Südthüringentrail: das Brett außerhalb der Alpen

47 Kilometer und fast 2.000 Höhenmeter stecken uns nach rund 5:30 Stunden laufen und nur 4 Stunden Schlaf in den Knochen. Die Gipfel um Suhl sind nicht alpin, haben es aber in sich. Umso schöner, als wir die beiden gigantischen Brücken unterquert haben und die Wettkampfmoderatorin hören. Gleich ist der Riesentrail vom Südthüringentrail geschafft. „Noch 2 Minuten, dann startet der Wichteltrail,“ schallt es durch den Wald. Es ist der Kleine in der Runde: gut 17KM und 559HM. Zwei Haken hat die Sache: Wir laufen den Heldentrail. Wir hängen jetzt also noch eben diesen Wichteltrail dran – und starten die Runde zeitgleich mit dem hinteren Drittel des Starterfeldes.

Die Idylle trügt - der Heldentrail hat es heftig in sich (c) Südthüringentrail
Die Idylle trügt – der Heldentrail hat es heftig in sich (c) Südthüringentrail

15 Minuten vorher meinte Laufkollege Flo noch: „Genießen wir die Stille – damit ist es bald vorbei. Dann wimmelt es im Wald vor Wichteln.“ Ein lustiger und sehr wahrer Satz. Mit fast 250 StarterInnen ist die Strecke mittlerweile zum kleinen Volkslauf geworden. Da müssen unsere Muskeln nochmal ordentlich ranklotzen, denn unser Tempo liegt dann doch nicht am Ende eines Volkslaufes, sondern eher in dessen Mittelfeld.

Doppeldecker: Kyffhäuser Berglauf + Rund um den Müggelturm

Wie oft wurde der Kyffhäuser Berglauf schon als kleiner Bruder vom Rennsteiglauf behandelt? Trotz aller Parallelen wohl zu oft. 2020 sollte das nicht passieren, denn anders als der angebliche große Bruder, findet der Kyffhäuser Berglauf im Corona-Jahr statt. Zwar deutlich abgespeckt, aber das stört die wenigsten LäuferInnen. Endlich wieder laufen!

Es gibt vier Distanzen – 6km / 14km / 21km / 42km – und eine Obergrenze von 999 Plätzen. Zuschauermengen sind nicht vorgesehen, die Übernachtung in der Turnhalle ist abgesagt, Duschen gibt es nicht. Entsprechend leer ist es auf dem großen Feld am Schloss Bad Frankenhausen. Distanz halten? Kein Problem hier und heute. Gestartet wird in Wellen, aufgestellt jeweils mittels Abstandsmarkierungen und mit Mund-Nasen-Schutz, der Startschuss ist symbolisch, wie es mehrfach heißt. Gedränge soll bei der 42. Auflage des Traditionslaufs um jeden Preis verhindert werden.

Gedränge gibt es beim Kyffhäuser Berglauf 2020 garantiert nicht.
Gedränge gibt es beim Kyffhäuser Berglauf 2020 garantiert nicht.

2. Oberlausitztrail: Sintflut, Matsch und Hornissen

Was für ein Sauwetter! Gestern noch 36 Grad, heute Sintflut. Aber ok, kann man mal nen Tag auf der Couch verbringen. Eeeehm, not, denn es steht der erste echte Trailrun Wettkampf seit gefühlten Ewigkeiten an. Nichts virtuelles, sondern derbe dreckig und physisch. Nichts privates, sondern ein Start mit 112 LäuferInnen auf der großen Strecke des Oberlausitztrails.

Oberlausitztrail 2020 - nass, rutschig und trotzdem super (c) M. Kosubeck / Babelsberger Trail Racing Team
Oberlausitztrail 2020 – nass, rutschig und trotzdem super (c) M. Kosubeck / Babelsberger Trail Racing Team

„Mein letzter Wettkampf? Das ist lange her. Ich glaube, das war wirklich der Oberlausitztrail letztes Jahr im Herbst. Seit dem wurde ja alles abgesagt,“ erklärt unser Mitstarter Felix während wir auf dem Parkplatz auf den Start um 9h warten. Erste auffällige Neuerung: im Starterbeutel gibt es jetzt Tampons. Auch für die Männer (prima gegendert), dafür aber keine Zahnpasta. Die haben nur die beiden Frauen. Lustiger Zufall, der aber zur aus 2019 gewohnten unaufgeregten Orga passt.

Hirschbachtalumrundung: Voralpen versus Corona-Blues

Kühe vor traumhaftem Bergpanorama, ein malerischer Bergrücken mit Hof unter strahlend blauem Himmel – was habe ich es vermisst, in den Bergen Trails zu laufen. Aber mit Pippi in den Augen läuft es sich schlecht. Heißt es. Und das stimmt auch. Also Fokus auf den Weg, denn der Track bleibt nur kurz auf Wirtschaftswegen und nimmt jede Steigung, jeden Gipfel, jede technische Passage mit. Kein Wunder, dass die von Tourismus Lenggries veröffentlichte Hirschbachtalumrundung als schwarze Wanderroute gilt und alpine Erfahrung und Schwindelfreiheit voraussetzt.

Kühe und Voralpen-Panorama
Kühe und Voralpen-Panorama

Berliner Vollmond-Marathon: Freude, Hitze und mentales Gorgoroth

Ein Abend der Gegensätze: ewig Unverbesserliche demonstrieren in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, bis die Polizei die Demonstration unter lautem Protest endlich auflöst. Ganz anders 10km weiter am Sport Centrum Siemensstadt kurz vor Spandau: Hier treffen sich jeweils 100 StarterInnen für den 7. Berliner Vollmond-Marathon und den 5. Berliner Vollmond-Halbmarathon. Mit Mundschutz, Abstand, Hand-Desinfektion, deutlich getrennten Startzeiten und innerhalb der beiden Veranstaltungen nochmal Rolling-Starts im 2-Minuten-Takt.

Start und Ziel des Berliner Vollmond-Marathon - das Sport Centrum Siemensstadt
Start und Ziel des Berliner Vollmond-Marathon – das Sport Centrum Siemensstadt

Bisher in 2020: Corona, Pandemie, Motivationsloch, Unfall mit Knochenbruch

2020, was bist du für ein krasses Jahr? Was in den ersten fünf Monaten geschah, reicht normalerweise für diverse Jahre: Corona, globale Pandemie, Wirtschaft im freien Fall und Absage fast aller Rennen. Gleichzeitig Probleme mit einem Knie und anderem Hüftbeuger = totales Motivationsloch beim Lauftraining. Rennradtraining geht dafür durch die Decke. Kaum ist das Lauftraining wieder am Start: Unfall im Elbsandsteingebirge – Bergung per Hubschrauber, Speiche gebrochen, Abriss der Elle, Sportstopp für Wochen. Was kommt noch in diesem krassen Jahr?

Ab in die Notaufnahme - das war anders geplant
Ab in die Notaufnahme – das war anders geplant

Seit Wochen wollte ich schon ein Update schreiben: wie Corona und Lauftrainingsmotivationsloch mein Rennradtraining geboostet haben; wie sehr mir die Heulerei auf den Sack geht, dass Läufe abgesagt werden; und wie sehr mir die Motivationsparolen auf den Sack gehen, dass wir doch alle trotzdem laufen und happy sind. Aber was gab es da groß zu sagen?

Langsam kommt Bewegung in die Sache. Es ist spannend zu sehen, wie die Trailrunning-, Rennrad- und Triathlon-Szenen mit den Absagen umgehen, wie sich meiner Meinung nach total unnötige virtuelle Events etablieren – auch wenn sie Marketing-technisch echt gut und clever sind – und wie sich die Communities schon jetzt verändern. Gewinnen insgesamt die agilen kleinen Events? Sterben genau die, weil sie keine finanziellen Polster haben? Wie viele der Corona-bedingten neuen LäuferInnen werden dabei bleiben?

Nachdem ich meinen Frieden mit all den Wettkampfabsagen gemacht habe und sowohl Knie, als euch Hüftbeuger wieder sauber arbeiten, kommt auch die Motivation fürs Lauftraining zurück, der Spaß beim wald- und hügelflowen. Und dann das: Easy im Elbsandsteingebirge unterwegs. Es ist das erste WE an dem die innerdeutsche Grenze und der Naturpark wieder offen sind, das Wetter ist bestens. Kurz nicht aufgepasst, Sturz auf einen Felsen, Schmerz und eine s-förmig vom Unterarm abstehende Hand. Bergrettung alarmiert, aufgrund von unzugänglichem Gelände Bergung via Hubschrauber. Befund: Speiche gebrochen, Abriss der Elle, Operation mit Vollnarkose, Sportstopp für Wochen. Viele Wochen. Wettkämpfe sind eh nicht in Sicht, also buchen wir diesen Scheiß auch noch aufs ohnehin schon tiefrote Karmakonto von 2020. Jetzt bin ich gezwungenermaßen einhändiger Neulinkshänder und brauche zum Zähneputzen und Texte tippen halt anstrengende Ewigkeiten.

Verbittert? Zynisch? Nicht wirklich. Meine Rennradjahreskilometer habe ich durch meine Kopffreiausfahrten eh schon fast drin. Und dass 2020 das krasseste Jahr ever – für mich – ist, ist längst akzeptiert. Denn auch joblich läuft lange nicht alles easypeasy. Aber das ist eine andere Geschichte. Fest steht:

  1. Die Komfortzone ist ziemlich weit weg.
  2. Never back down.
  3. Ich habe noch einiges vor dieses Jahr.

Umfänge steigern – Laufcamp in der Lüneburger Heide

„Hast du schon den Wetterbericht fürs Wochenende gesehen?“ fragt ein Laufkollege an einem lauen Dienstagabend im Februar. „Nur Regen. Und davon richtig viel.“ Am Wochenende soll es in die Lüneburger Heide nach Müden gehen. 2,5 Tage, 4 Läufe, rund 80 km, übernachten im traumhaften Winkelhof. Tolle Aussichten, wenn es nur regnet und stürmt…

Der Gedanke hinter dem Laufcamp: Früh in der Saison diverse längere Läufe hintereinander setzen und so auf die kommenden Langdistanzen vorbereiten. Freitagabend 16 km, Samstag 12 und 21 km, Sonntag nochmal 30 km. „Es geht um den Umfang, nicht das Tempo.“ Ist nicht immer leicht, die Pace im Zaum zu halten, funktioniert aber immer besser, je fortgeschrittener die Laufkilometer werden. Die Heide zeigt sich dabei von ihrer schönsten Seite:

Lüneburger Heide - ein Lauf-Traum (c) R. Margerie
Lüneburger Heide – ein Lauf-Traum (c) R. Margerie

Sogar die Heidschnuckenherde kommt vorbei. Mehr Klischee kann man sich gar nicht wünschen:

Und auch noch Heidschnucken!  (c) R. Margerie
Und auch noch Heidschnucken! (c) R. Margerie

Wenn es nicht dreckig ist, war es kein CX: SiSu Winter-Duathlon im Grunwewald

„Jetzt weiß ich, warum ich eine Radbrille anziehen sollte. Ich glaube, ich bin schmutzig geworden“, sagt sie. Unsere Gesichter, Klamotten, Räder sind Matsch-gesprenkelt, der Puls beim Zieleinlauf des SiSu Winter-Duathlon so hoch, wie es sich für einen vernünftigen Wettkampf gehört.

Es hat immer wieder geregnet die letzten Tage – für heute waren schwerer Wind und Regen angesagt. Doch der 14. Winter-Duathlon der Triathlongemeinschaft SiSu Berlin hat Glück: seit Wochen ist es warm, seit gestern trocken, wir starten mit nur leichter Wolkendecke auf die 5,5 km Laufstrecke, die wir anschließend noch 4x mit Mountainbike oder CX Rad fahren. Als Sahnehäubchen ist final noch ein 3 km Stich zu laufen. Duathlon halt. Im Grunewald. Cross. „Die Strecke ist in gutem Zustand“, heißt es am Vortag. Matsch können Berlin und Brandenburg einfach:

"Guter Zustand" - so geht CX in Berlin und Umland (c) Triathlongemeinschaft Sisu Berlin
„Guter Zustand“ – so geht CX in Berlin und Umland (c) Triathlongemeinschaft Sisu Berlin

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